Eine der schwierigsten Fragen tritt auf, wenn man beim Absuchen der Wiese das Gelege eines Bodenbrüters findet, beispielsweise eines Fasans, eines Rebhuhns oder Kiebitz.

Eier werden nie weglaufen können.

Andreas Mohr, Gründer des Rebhuhnhegerings Wetterau und Träger des Umweltschutzpreises des Wetteraukreises gibt wichtige Tipps und Hinweise dazu.

Die gesamte Arbeit "Feldtag zum Thema Jungwildrettung" finden Sie hier.
Eine Übersicht haben wir im Folgenden zusammengestellt.

Mit herzlichem Dank an Andreas Mohr für die Unterstützung.

 

Fotos:
Kiebitznest: Von Rasbak - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Wikipedia
Rebhuhn-Küken: Werner Beeke

Um die Nester herum zu mähen und eine Grasinsel stehen zu lassen, wird allzu oft empfohlen - mit verheerender Wirkung. Über einige Zeit probierte man diese Technik mit Brachvogelgelegen mit dem Ergebnis, dass sie in der nächsten Nacht gefressen waren.

Über 90% der Brachvogelverluste fanden in der Nacht statt. Thermologger in den Nestern lieferten Daten über den genauen Zeitpunkt des Raubüberfalls.

Schlussfolgernd kann man sagen: Der Fuchs sucht die Flächen nach dem Mähen ab und läuft jede interessante Struktur bevorzugt an.

Lässt sich vereinbaren, die Fläche nicht zu mähen bis die Tiere flügge sind, ist das die einzig ideale Lösung.

Falls der Mähtermin nicht verschoben werden kann, sollte - soweit möglich - mit dem Landwirt vereinbart werden, großzügige Teile der Wiese stehen zu lassen, ohne auffällige Strukturen zu schaffen, die von Raubtieren leicht gefunden werden können. Komplette, breite Streifen, in denen sich Gelege befinden, machen es nicht ganz so einfach, die Eier zu finden, wie wenn lediglich kleine Inseln stehen bleiben.
Besser noch wäre es, wenn lediglich die Hälfte der Wiese gemäht wird, in der sich keine Gelege befinden, die zweite Hälfte später.

Gibt es eine Möglichkeit des Ausgleichs für den Landwirt, bei der ersten Mahd weniger Futter oder Silage mähen zu können, bieten Sie diesen bitte an.

Sie können die Gelege zwar mit einem Elektronetz einzäunen. Diese Netze gibt es aber nur bis zu einer Höhe von ca. 1 Meter. Das Ergebnis des Versuchs war ernüchternd: Die Gelege waren ebenfalls gefressen, denn ein Fuchs überspringt problemlos Hindernisse bis zu 1,5 Metern.

Achtung: Diese Methode ist zwar die sicherste (nach dem Verschieben der Mahd), gehört aber unbedingt in erfahrene Hände. Beachten Sie bitte auch, dass die Aufzucht von Jungvögeln Sie über lange Zeit intensiv beanspruchen wird.

Sie können das Gelege bergen und ausbrüten. Dazu brauchen sie entweder die passende Glucke oder die richtige Brutmaschine.

  • Für jedes zu erwartende Gelege muss eine Glucke vorgehalten werden.
  • Die Glucke muss zum richtigen Zeitpunkt auch glucken.
  • Sie brauchen die entsprechenden Stallungen/Volieren und brauchen das handwerkliche Wissen und Können, wie sie mit den Tieren umgehen.

Vergleichbar ist das mit Rettungshunden. Sie müssen dauerhaft gepflegt und trainiert werden, ohne Wissen um das Eintreffen des Auftrags. Die optimale Hühner-Rasse ist zudem noch nicht gefunden, weshalb es beim Einsatz von Glucken immer noch zu Verlusten kommen kann. Mal klappt es super, mal weniger. Hier macht sich der Wandel der Zeit schmerzlich bemerkbar und fehlen zunehmend die ländlichen Kleintierzüchter mit ihrem großen Erfahrungsschatz aus langjähriger Arbeit.

Die richtige Brutmaschine:
Achten Sie unbedingt auf Qualität. Nach einigen versuchen mit niedrigpreisigen Brutmaschinen gab es immer wieder Küken mit verkrüppelten Ständern oder Verluste beim Schlüpfvorgang.
Bei Fragen über geeignete Brutmaschinen wenden Sie sich gerne an Mohr + Partner.

Die Küken sind geschlüpft:
Nach dem Schlüpfen brauchen Sie Aufzuchtskisten und das richtige Futter. Achten Sie bitte auch hier auf entsprechende Qualität. So lassen sich Verluste bei der Aufzucht weitestgehend vermeiden.

Gelege verschiedener Vogelarten:
Wenn Sie mit dem Anfall verschiedener Gelege und aus verschiedenen Vogelarten rechnen müssen, brauchen sie entsprechend viele Brutmaschinen und natürlich auch mehrere Aufzuchtskästen, da Sie verschieden große Küken nicht beieinander halten können.

Haltung der Küken:
In die Auswilderungsvoliere kommen die Küken erst, wenn das Deckgefieder Regen standhält. Das ist nach ca. sieben Wochen der Fall. Bis dahin halten Sie sie an einem trockenen, geschützten Platz unter Rotlichtlampen.

Hygiene und Gesundheit:
Top Hygiene und eine funktionierende Gesundheitsüberwachung ist absolute Voraussetzung. Sämtliche Krankheiten müssen im Entstehungsstadium sicher festgestellt werden und mit geeigneten Maßnahmen eingegriffen werden können.

Auswilderung:
Die fachgerechte Auswilderung entscheidet letztendlich über den Erfolg der ganzen Arbeit. "Einfach auf die Wiese kippen" ist nicht nur uncool, sondern auch Unfug. Jede Art benötigt ihre eigene Auswilderungsmethode, damit die Jungtiere Artanschluss finden können.

Auswilderung am Beispiel Rebhuhn:
"Für unsere Rebhühner, aus der Mahd der privaten Obstbaumstücke haben wir z. B. Flechtkörbe mit einer langen Schnur. Sie suchen sich ein kinderloses Paarhuhn und setzen in deren Streifgebiet die Küken unter den Flechtkorb. In der Regel folgt das Paarhuhn den Rufen der Kleinen und sobald Kontakt durch den Korb hergestellt ist, ziehen sie aus der Deckung heraus an der Schnur, damit der Korb kippt und die Küken freigibt.

Das ist der Lohn der Mühe.